ERSTE-HILFE BEI SPORTVERLETZUNGEN

Verletzungen des Stütz- und Bewegungsapparates bilden die häufigste Verletzungsgruppe bei Sporttreibenden und sind deshalb auch für Trainer und Übungsleiter eine große Herausforderung. Bereits in der Erstbehandlung können die Weichen dabei sehr günstig gestellt werden wodurch Komplikation vermieden und Heilzeiten erheblich verkürzt werden können.

Die Prophylaxe durch ausreichendes Auf-/Abwärmen, exakte Technik in der Ausübung, Einhalten von Fairplay und Regelwerk sowie das Tragen intakter Sportbekleidung und vollständiger Schutzausrüstung kann das Verletzungsrisiko erheblich reduzieren!

Es werden leichte Sportverletzungen (die unter kühlenden, schonenden Maßnahmen zeitnah folgenlos ausheilen) von komplikationsgefährdenden Sportverletzungen (die eine schnelle ärztliche Behandlung erfordern, um möglichst ohne bleibenden Schaden auszuheilen) unterschieden. Die Differenzierung zwischen beiden Gruppen kann selbst dem erfahrenen Sportmediziner schwer fallen und erfordert nicht selten eine weitere Diagnostik im Krankenhaus!

Leichte Sportverletzungen können sein:

  • Prellungen von Muskeln oder Knochen durch stumpfen Anprall
  • Zerrungen von Muskeln und Gelenk sichernden Bändern
  • Leichte Verstauchungen (Distorsionen) der Gelenke mit geringem Belastungsschmerz

Komplikationsgefährdende Sportverletzungen sind:

  • Ausrenkungen (Luxationen) von Gelenken (z.B. Finger, Schulter)
  • Bänderrisse mit schwerem Belastungsschmerz und Gelenkinstabilität (z.B. Knöchel)
  • Große Blutergüsse (Hämatome) nach Anprallverletzungen
  • Knochenbruchverdacht (Schmerz, Fehlstellung, Schwellung, Bewegungsverlust)
  • Sehnenrisse (z.B. von Achillessehne oder Bizepssehne)
Aufgabe der Ersthelfer ist niemals die exakte Diagnosestellung; diese bleibt den Ärzten vorbehalten. Schon bei Verdacht auf eine komplikationsgefährdende Sportverletzung sollten die Ersthelfer ihre Maßnahmen entsprechend treffen und die Sportverletzten zeitnah (ggf. mit dem Rettungswagen) einer weiteren diagnostischen fachärztlichen Abklärung zuführen lassen.

Erstversorgung von leichten Sportverletzungen

Die „P-E-C-H“-Regel ist eine einfache Faustregel, um an die Maßnahmen bei leichten Verletzungen des Bewegungsapparates zu erinnern:

„P“ = Pause
„E“ = Eis
„C“ = Kompression
„H“ = Hochlagerung

„Pause“
Die sportliche Belastung ist umgehend einzustellen.

„Eis“
Die lokale Eisanwendung im Bereich der Verletzung soll die Gewebeschwellung verringern und die Schmerzleitgeschwindigkeit der Nerven senken. Hierzu ist eine Einwirkdauer von mindesten 20 Minuten, idealerweise zwei bis drei Stunden erforderlich. Es können Eisstücke und so genannte „Coolpacks“ verwendet werden. Diese sollten jedoch niemals direkt auf die Haut aufgebracht werden, da es durch das Temperaturgefälle zu Erfrierungsschäden der Haut kommen kann. Es empfiehlt sich, die Kühlung auf einen unterliegenden Kompressionsverband aufzubringen oder das „Coolpack“ in ein Handtuch einzuschlagen. Voraussetzung für die äußere Eisanwendung ist eine warme und ausreichend durchblutete Extremität.

Eissprays sind zur Kühlung völlig ungeeignet, da eine Langzeitkühlung damit nicht möglich ist. Die kurzzeitige Kühlwirkung des Eissprays bewirkt vielmehr eine reaktive Mehrdurchblutung der Haut und führt so zu vermehrter Schwellung. Ein längeres Aufsprühen kann zu Erfrierungsschäden der Haut führen.

„Kompression“
Ein elastischer Wickel in ausreichender Breite soll die Schwellneigung des Gewebes reduzieren und so die Wirkung der Kühlung unterstützen. Hierbei kann nach den ersten Bindengängen das „Coolpack“ mit dem verbleibenden Wickel über der Verletzungsstelle fixiert werden. Ein Kompressionsverband sollte stets von körperfern nach körpernah gewickelt werden. Eine ausreichende Breite des Wickels und ein moderater Druck sollen Schnürfurchen im Hautniveau und eine Beeinträchtigung der Durchblutung verhindern (Ein elastischer Kompressionswickel ist kein „Tourniquet“!). Voraussetzung für die Anlage eines Kompressionsverbandes ist – wie im Falle der Kühlung – eine warme und gut durchblutete Extremität.

Tolerieren Betroffene die Kompression oder sonstige Manipulationen an der verletzten Extremität nicht, besteht der Verdacht auf das Vorliegen eines Knochenbruches (Fraktur). Von Betroffenen nicht tolerierte Maßnahmen sollten nicht gegen ihr Einverständnis durchgeführt werden.

„Hochlagerung“
Soweit es von Betroffenen toleriert wird, soll die verletzte Extremität zwecks Minderung der Schwellneigung erhöht gelagert werden.

Im Falle schwerwiegender Verletzungen (Ausrenkungen, Knochenbrüche) tolerieren Betroffene diese Maßnahme vielfach nicht und nehmen eine schmerzerleichternde Schonhaltung ein. Der von den Betroffenen spontan eingenommenen Schonhaltung ist dann Vorrang zu geben: sie ist mit geeigneten Hilfsmitteln zu unterstützen. Durchblutungsfördernde Maßnahmen wie Massagen, Sonnenbäder und Saunabesuche sind unbedingt zu vermeiden, da sie Gewebeeinblutung, Schwellneigung und Schmerzleitung fördern können!

Eine längere Gelenkentlastung oder Ruhigstellung ist bei Jugendlichen und Erwachsenen mit dem Risiko einer Thrombosebildung in der ruhig gestellten Extremität verbunden. Daher sollten Unterarmgehstützen und vergleichbare Ruhigstellungsmittel nur nach ärztlicher Absprache zur Anwendung gebracht werden. (Ärzte können hierbei begleitende gerinnungshemmende Spritzengaben empfehlen).

Tipp: „Muskelkater“ wird nicht nach der „P-E-C-H“-Regel behandelt. Hier empfiehlt sich die lokale Wärmeanwendung und Verzicht auf weitere sportliche Betätigung für 5 bis 7 Tage. Bei Beschwerdedauer über 5 Tagen sollte der Arzt konsultiert werden.

Erstversorgung komplikationsgefährdender Sportverletzungen

Komplikationsgefährdende Sportverletzungen bedürfen schneller ärztlicher Hilfe, um eine möglichst vollständige Ausheilung ohne bleibende Einschränkungen zu gewährleisten. Die Therapie dieser Verletzungen ist ausschließlich erfahrenen Ärzten vorbehalten und kann z.B. in der Einrichtung (Reposition) eines Knochenbruches (Fraktur) oder einer Gelenkausrenkung (Luxation), ggf. auch in der Durchführung einer Operation bestehen. Auch die Verabreichung von Schmerzmitteln ist Ärzten vorbehalten. Im Falle des Verdachtes auf eine komplikationsgefährdende Sportverletzung ist daher unverzüglich der Rettungsdienst zu verständigen (siehe Abschnitt „Notruf und Rettungskette“).

Anzeichen für komplikationsgefährdende Sportverletzungen können sein:

  • Knochen-/Gelenkschwellung
  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung
  • Hautblässe/Hautkälte körperfern der Verletzung
  • Taubheitsgefühl körperfern der Verletzung
  • Lähmung/Bewegungsverlust körperfern der Verletzung
  • Spürbares Knochenreiben, tastbare Knochenenden
  • Bei Hautverletzung: sichtbare Knochenenden („offene Fraktur“)

Etwa 20% der Sportverletzungen sind Knochenbrüche. Diese Untergruppe zeigt vor allen anderen Sportverletzungen die stärkste Häufigkeitszunahme! Maßnahmen der Ersthelfer bei komplikationsgefährdeten Sportverletzungen:

  • Ruhigstellung der verletzten Extremität durch Umpolsterung mit Decken, Kleingeräten oder hierfür vorgesehenen Hilfsmitteln aus dem Notfallrucksack (z.B. SAMSPLINT-Schienen).
  • Abdecken von Wunden mit sterilem Verbandsmaterial.
  • Zeitnahe Alarmierung des Rettungsdienstes!
  • Kein Wiedereinrichten von Knochenbrüchen oder ausgerenkten Gelenken!
  • Keine Verabreichung von Getränken, Speisen oder Medikamenten!
  • Belassen des Verletzten am Unfallort. Eine ungeübte Transportmaßnahme soll unterbleiben!
Droht den Verletzten oder den Helfern am Unfallort weitere Gefahr, so kann in Ausnahmefällen ein Transport vor Eintreffen des Rettungsdienstes erforderlich sein. Hierbei ist auf bestmöglichste Ruhigstellung der verletzten Extremität zu achten!

© Dr. med. Gerrit Borgmann & Dr. med. Ralph Schomaker

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